Faktennachtrag

In Namibia steht die Sonne neun Monate im Jahr zur Mittagszeit im Norden, nachdem sie regelgerecht im Osten aufgegangen ist und im Westen auch zu Bett geht. Im Sommer, also im November bis Januar (!) steht sie mittags im Süden,  wie sich das gehört.

In Namibia fahren die Leute links, weil sie das Lenkrad auf der falschen Seite haben. Wenn aber alle so fahren, geht das.

In Namibia dreht sich der Strudel in der Toilette beim Spülen nicht wirklich anders herum, sondern wie bei uns zu Hause. Schade, wäre schon lustig…

In Namibia essen die Leute Fleisch, sogar die Vegetarier. Ohne Anspruch auf richtige Reihenfolge: Springbock, Kudu, Oryx, Warzenschwein, Eland, Zebra, Giraffe, Esel, Impala… Alles leckerererer als Schweinefleisch aus Massentierhaltung! Wir haben das alles probiert.

In Namibia ist die Luft so trocken, dass die Socken auf der Leine auch über Nacht trocknen.

In Namibia werden die Verkehrszeichen der wahren Unfallstatistik entsprechend aufgestellt.

In Namibia hat sich das Wort “ Beamtin“ von selbst erledigt, da du fast ausschließlich mit Frauen den Behördenkram wie Polizeikontrolle, Erlaubnis für den Nationalpark, Veterinärkontrolle u.a. erledigst.

In Namibia endet das Tagesgeschäft mit dem Sonnenuntergang, gegen Neun gehen die Farmersleute schlafen und stehen mit dem Sonnenaufgang wieder auf. Das spart teuren Strom und Fernsehen spielt bei den Gebühren nicht wirklich eine Rolle im abendlichen Leben.

In Namibia sagen die Leute: „In Deutschland haben sie die Uhren, in Namibia haben wir die Zeit.“ Ein wirklich gutes Mantra…

Resümee einer Traumreise

Nach 2.666 Kilometern durch Namibia versuchen wir, das Erlebte zusammenzufassen und ein kleines Fazit zu ziehen. Es war so, wie wir es uns erträumt hatten, nur noch viel schöner. Alles hat perfekt geklappt, keine Pannen, keine Ausfälle. Wir haben viel von dem Land Namibia gesehen, wir hatten die Zeit, uns genauer und entspannter umzusehen. Wir haben viele liebe Menschen kennengelernt und (hoffentlich) etwas von ihrer Mentalität mitnehmen können.

Zu meiner Liste vom Anfang:

Wir haben viiiele Elefanten hautnah erlebt, wie sie dösen, spielen, verliebt sind. Löwen haben wir gesehen, ja. Alle Touries lechzen nach ihnen, ich finde, sie werden überbewertet. Am Wasserloch stänkern sie und die wahren Könige sind doch die Elefanten. Ich kann jetzt auf Anhieb ein Steppen- von einem Bergzebra unterscheiden, ohne den Barcode auszuzählen. Ich hatte meine Nase im Fell eines 100-Kilo-Leoparden, ich weiß, wie er duftet. Wir haben aus fünf Metern Entfernung einem Nashornbullen beim Fressen zugeschaut, wir haben Rhino-Babies spielen sehen.

Liste abgehakt? Mehr als das, das sind Bilder, die wir nie wieder vergessen werden. Dieser Urlaub war unsere schönste Reise, die wir bis hierhin hatten, einfach unvergesslich. Wir bedanken uns bei allen, die Anteil daran hatten: Bei Uschi und Christian, bei Bea und Martin, bei Deby und Duncan, bei Mäuser und seiner Tochter Anne, bei Christine und vor allem beim Weltmeister Bwana Carsten und seinen Mannen. Natürlich bedanken wir uns auch bei all den lieben und fleißigen Helfern im Hintergrund. Alle diese Menschen sind schuld, dass der Namibia-Virus ganz tief in uns gedeiht.

Tja, und wenn ihr uns fragt, wo es denn am schönsten war, sagen wir:

-„Namibia“-

16.Juli – Über den Dächern von Windhoek

So, wir sind über den Wolken. Es geht wieder heimwärts. Gestern sind wir das erste Mal vom vorgegebenen Plan abgewichen. Statt pünktlich in Windhoek zur Stadtrundfahrt aufzuschlagen, haben wir auf dem Weg dorthin einen Abstecher zum Cheetah Conservation Fund von Laurie Marker gemacht. Es hat sich gelohnt, zu sehen, mit welchem Aufwand an der Rettung der Geparden gearbeitet wird. Leider fiel durch die Verzögerung der Bierabend aus. Dafür haben wir in unserem Hotel hoch über der Stadt unser eigenes Bierchen getrunken. Die Stadtrundfahrt haben wir heute nachgeholt, zum Glück! Die alte und neue Geschichte Windhoeks mit Anfassen und einem Sack voll Hintergrundinformationen aus erster Hand. Nachmittags noch ein Käffchen beim Outbriefing bei Bwana Carsten und das Abschiednehmen wurde langsam Realität. Unser Urlaub geht zu Ende, daran lässt sich nichts ändern, aber wir sind auch randvoll mit Bildern, Gefühlen, Gerüchen. Und mit dem Gefühl,  alles richtig gemacht zu haben. Morgen früh um 07:55 Uhr sind wir wieder auf deutschem Boden, abends dann zu Hause in Ahlbeck.
Am Rande:
Gestern noch sagte Anne, dass sie am liebsten die Zeit anhalten würde. Um 22:57 Uhr, als wir schliefen, blieb ihre Uhr stehen -> Woodoo?!   😉P1020331

IMG_1376P1020337P1020342Heimflug

14.Juli – Wenn du denkst, da gehts nichts mehr…

Wisst ihr, wie in einer italienischen Oper das Große Finale abgeht? So ging es uns heute. Alle, das who is who der namibischen Wildheit, gab sich noch einmal ein Stelldichein und jeder zeigte, was er kann. So viele unterschiedliche Tierarten gab es nicht einmal in der Etosha-Pfanne. Wir sind in der Wabi Game Lodge im Schatten des Waterberges in unserer letzten Station angekommen. Glaubt mir, alles wurde noch einmal getoppt. Die Drei-Sterne-Lodge, der Koch, die Barfrau, der Guide und der Gamedrive, alles nur für uns zwei. Uns gehört die Welt. Ein Sundowner am Waterberg Lake und dabei aus zwanzig Metern Entfernung zusehen, wie sich eine Flusspferdfamilie und die ganzen anderen Tiere versammeln, um sich zwei Bund Heu zu teilen. Dreißig Tonnen Fleisch auf einem Haufen und kein Zank um eine Handvoll Heu. Ein bißchen Garten Eden. Zum Diner Elandsteak mit… Ach Mensch, gibt es keinen Superlativ von perfekt?

Das Lebbe is scheen, die Geier müssen warten!

P1020181P1020210P1020173P1020193

13.Juli – Tschüss, Etosha!

Heute begann der Tag reichlich turbolent. Zuerst waren wir etwas knapp (06:00 Uhr!) am Wasserloch, so dass wir nur noch den Abgang des Löwen sehen konnten. Dann hat meine Kamera ihren Dienst aufgegeben. Auf der letzten Pirschfahrt Richtung Namutoni Gate hatten wir dann noch dreißig Minuten Stau. Unsere bereits genannte Elefantenherde zog die Straße hinunter und danach auch wieder zurück zu uns. Ein anderes deutsches Ehepaar (schon lustig, die ersten fünf Minuten haben wir uns auf englisch unsere Abenteuer geschildert…) hatte versucht, die Herde langsam zu überholen, scheiterte dann aber am schwarzen Bullen. Also hieß es warten, bis sie die Straße wieder freigeben. Wir waren gerade rechtzeitig am Tor.
Auf der Fahrt zur nächsten Lodge statteten wir einem Ausserirdischen noch einen Besuch ab, dem Hoba-Meteoriten. Diese Nacht verleben wir auf der Gemüsefarm Tigerquelle bei Grootfontein. Eine Runde im Pool, eine Rundfahrt über die Farm und lecker Eland-Roulade, das Leben kann so schön sein.
Passieren kann uns hier nix. Wer einbrechen will, stolpert unweigerlich über einen der drei Ridgebacks, die zusammen zweihundert Kilo Kampfgewicht bringen.
Übrigens stimmt unser Kalender wieder,  wir hatten zwischendurch die Zeit verloren. Datum und Wochentag laufen wieder synchron.
Ach so: SCHLAAAAAND!

P1020103P1020131P1020136P1020158

12.Juli – Safari entlang der Salzpfanne

Hat der eine Tag uns mit einem riesigen Oliphanten in Okaukuejo verabschiedet, brachte der nächste in Halali gleich wieder einen grauen Berg vor die Kamera. Er hat sich einen Heidenspaß daraus gemacht, zwischen den Autos hindurchzuspazieren. Der Abend war den Spitzmaulnashörnern am Wasserloch hier beim Camp vorbehalten. Heute begann der Tag zwar sehr früh, dafür aber verhalten. Erst gegen Mittag hatten wir an einer Wasserstelle großes Giraffenglück, an einer anderen dann Elefanten. Elefanten. Elefanten. Über den Daumen gepeilt waren noch etwa achtzig Tiere am Wasserloch. Eine ganze Stunde haben wir gestaunt und geknipst. Dann hat der Bulle geruhsam, aber nachdrücklich alle Autos vom Parkplatz verwiesen, denn er hatte mit einigen Kühen noch etwas anderes vor. Auf der Heimfahrt hatte ich im unteren Sichtfeld die Straße, im oberen immer noch ein riesen Band mit Elefanten.
Ich konnte mir diesen Tagtraum leisten, denn ich war nur Beifahrer und Fotograf.

IMG_2034IMG_2103IMG_2177IMG_2271

10.Juli – In der Siedepfanne der Etosha

Pünktlich gestartet, waren wir natürlich genau so pünktlich am Andersen Gate, um den Etosha National Park für uns zu erobern. Diesmal haben wir ein paar andere Menschen getroffen, nicht allzu viele, aber wir sind nicht mehr allein in Namibia. Auf den Straßen hatten wir oft diesen Eindruck.
Die erste Fotosafari liegt hinter uns, wir haben uns einfach für zweieinhalb Stunden an ein Wasserloch gestellt, ganz entspannt die Landschaft genossen und dann fotografiert, was denn so zu uns kam. Das war ein echt schöner Nachmittag.
Abends auf dem Weg zum Restaurant gingen wir nur kurz am Wasserloch vorbei und konnten zusehen, wie nach und nach eine Herde von dreißig Oliphanten eintraf. Nach dem Dinner gab es noch Nachschlag mit Nashörnern, Giraffen, Löwen und einem riiiesigen Elefantenbullen. Das wilde Afrika hat uns erreicht, jetzt können wir schlafen gehen.

IMG_1902IMG_1878P1020037P1020047

09.Juli – Abenteuer Filmhaus

Gestern hatten wir noch einen herrlichen Tag auf der Ai Aiba. Eigentlich sollten wir nur noch einmal mitkommen, die Fotofallen kontrollieren. Daraus ist ein dreistündiger Ausflug in die Berge geworden. Diese sehen aus, als hätten Riesen ihre Murmeln nach dem Spielen liegen gelassen. Von den Granitrücken hatten wir eine Wahnsinnsaussicht auf die Ebene. Den Sonnenuntergang schauten wir uns von den Felsen oberhalb unserer Lodge an. Auf dem Heimweg noch eine Leopardenfährte zu finden, passiert einem ja auch nicht alle Tage, oder?
Heuet morgen ging es auf einen langen Kanten Richtung Norden. Wie schon auf Ai Aiba hatte wir auch hier das Gefühl, ganz allein in Namibia zu sein, ganz Afrika nur für uns zu haben. Endlos lange Pisten, deren Farbe sich manchmal ändert,  wie sich die Landschaft links und rechts auch.
Am Ziel angekommen, erblickten wir eine abenteuerliche Bretterburg, die in die Felsen eingepasst wurde. Wir suchten uns das Zimmer mit dem besten Ausblick, „Loo with a view“. Der Thron steht auf einer Felsnase mit Blick auf den Busch…
Dicht beim Haus gibt es einen Himba-Kraal, sogar mit Schule. War echt interessant, zu sehen, wie sie leben.

P1010957P1010992P1020001P1020015

07.Juli – 10.000 B.C.

Wisst ihr überhaupt, was ein goldener Sonnenaufgang ist? Heute morgen, direkt vor unserem Panoramafenster mit Blick auf die Savannenlandschaft gab es einen. Wahnsinn! Dazu Vogelkonzert in allen Tonlagen und eine Gruppe Schiraffe im Hintergrund-werdet ruhig neidisch!
Nach dem Frühstück stand ein Besuch im nahegelegenen San-Dorf, einem Living Museum der Bushmans, an. Sie demonstrierten uns alle Seiten ihres täglichen Lebens, was sie wie herstellen und wie sie singen und tanzen. Danach auf einem Bushman walk zeigten sie uns ihre Jagdmethoden, ihre Rohstofflieferanten und die Felsenzeichnungen der ersten Jäger, die bis zu 10.000 Jahre alt sein könnten.
Davon gab es am Nachmittag zum Rock Painting Drive noch viel, viel mehr und fachliche Erklärung gleich noch dazu.

IMG_1704

IMG_1643

wpid-p1010912.jpg